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Statt irgend eines eher nichts sagenden Profils, hier meine Gedanken über die Kunst heute.Obwohl dies heute häufig abgelehnt, ja zum Teil energisch, zum Teil sogar geradezu fanatisch bestritten wird, ist Kunst, meiner Meinung nach, immer noch von einem gewissen Grad von Können abhängig. Wobei sich dieses Können im Besitz einer Technik zeigt, die klar und deutlich auszudrücken vermag, was dem Künstler bei dem was er darstellt eigentlich vorschwebt. Das schließt im Grunde jedoch zwangsläufig auch die Notwendigkeit einer Interpretation durch Dritte, aber auch durch den Künstler selbst aus!Denn eine Trennung von Geist und Technik ist zumindest auf dem künstlerischen Gebiet, wie ich persönlich glaube, gar nicht möglich. Wer ein wirklich brennendes Verlangen oder wahres Interesse daran hat, der Welt etwas bestimmtes mitzuteilen, und dieses Interesse muss jeder Künstler haben, sonst ist er gar keiner, wird immer auch diejenigen Techniken und die Möglichkeiten finden und zu beherrschen lernen, die dieses Interesse unmissverständlich auszudrücken vermögen. Wer ein solches Interesse freilich nur vortäuscht, hat es da sehr schwerer und ist darum auch auf die heut ach so beliebten, blutleeren, komponierten, pseudointellektuellen und nur scheinbar tiefsinnig durchdachter Interpretationen Anderer angewiesen. Fehlende künstlerische Technik verrät (meiner Meinung nach) klar und deutlich immer auch fehlendes, oder nur vorgetäuschtes Engagement. Mit Virtuosität hat dies allerdings auch nur sehr bedingt zu tun. Technik ist daher so gesehen immer dann gut, wenn sie eindeutig auszudrücken vermag was dem Künstler wichtig ist.Kann sie dies nicht, ist sie schlecht, und sei sie noch so perfekt und virtuos. So gesehen wäre auch die öffentliche Gängelung, ja selbst die gängige öffentliche Förderung der ?Kunst? in dem Maße überflüssig, in dem man dem kunstinteressierten Menschen wieder eine ehrliche Chance ließe, um selbst wieder völlig unbeeinflusst Kunstwerke zu betrachten, um hierdurch auch das unbeeinflusste Sehen wieder zu erlernen.
Denn, ohne die heute übliche Manipulation fühlt sich jeder Betrachter stets ganz automatisch von solchen Werken angezogen, die er, und nur er selbst, als vital empfindet.
Kunstverstand ist eigentlich jedem Menschen angeboren, übrigens genau wie Musikalität. Beide können zwar trainiert, jedoch nicht grundsätzlich völlig neu erzeugt werden, ob das den Kritikern nun gefällt oder nicht. Man könnte natürlich plakativ und populistisch wie Karl Valentin sagen: Kunst kommt immer noch von Können, wenn es vom Wollen käme würde es wohl statt dessen "WUNST" heissen und man muss es nicht einmal so drastisch sagen, wie Michelangelo, der ganz lapidar bemerkte, wer als Künstler nicht zeichnen kann, kann gar nichts!
Oder, wie der (eigentlich ja vom Kolorit herkommende kleine Färber ) Der Maler Tintoretto, der ebenfalls schon bemerkte.: »An den Brücken von Rialto könnt Ihr alle viele bunte Farben kaufen und ihr könnt viele bunte Bilder damit malen, die aber, die wirklich zeichnen können in dieser Stadt (Venedig), kann ich an den Fingern einer einzigen Hand abzählen.? Dass man nicht unbedingt selbst ein Küchenmeister sein muss, um die Qualität einer guten Mahlzeit zu beurteilen, leuchtet inzwischen scheinbar selbst dem Dümmsten ein, dass es jedoch bei der Beurteilung von Kunst eben so ist, versuchen die öffentlichen Kunst-Meinungs-Macher allerdings seit Jahrzehnten folgreich vor uns zu verschleiern. Dies geschieht, weil es ihnen erstens unangenehm- und weil es zweitens ja die einzige Grundlage für ihre offizielle Kunstschwätzertätigkeit ist. Diese wird in unserer oberflächlichen, geschwätzigen Zeit inzwischen übrigens auch finanziell längst höher bewertet und honoriert, als die meisten Werke der bildenden Künstler die sie besprechen!
Selbstverständlich ist jedoch hier wie dort der Geschmack oft sehr verschieden?zum Glück!
Die offizielle Einflussnahme auf Kunstrichtungen und Schönheitsideale, sowie die fast immer gewollt unklar gehaltenen und hochgestochenen (und zum Teil geradezu perversen und dümmlichen) Kritikerinterpretationen sind also, genau wie eine unbedachte Verdammung dieser oder jener Richtung von Übel. Denn nur sie allein ermöglichen es, dass in den Galerien der Welt täglich wieder das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern uraufgeführt wird. Natürlich ohne, dass dabei zugelassen würde, dass irgend ein (»dummes«) Kind jemals noch die Gelegenheit dazu bekäme laut zu auszurufen :
"Der Kaiser ist ja nackt!"
Denn inzwischen geben ja sogar die allermeisten Erwachsenen längst schon ihre eigene Kunstmeinung mit ihren Mänteln an der Garderobe ab! Und zwar sowohl bei den Vernissagen, als auch bei ihren Museumsbesuchen, übrigens, auch ohne etwa durch eine höhere Bildung davor noch irgendwie gefeit zu sein. Nur allzu oft wird daher zugelassen, dass Kritiker, mit ihrem zumeist an den Haaren herbeigezogenen Geschwätz, heute fehlendes Engagement von so genannten Künstlern verdecken, das Publikum bevormunden, und all die Nichtkritiker völlig Unberechtigterweise glauben machen wollen, der Kunstverstand sei von Ihrer oder öffentlicher Seite geradezu gepachtet. Wenn diese offizielle Bevormundung der Kunst und der Künstler endlich aufhörte, aber leider nur dann, könnte auch auf jede falsch verstandene Förderung von Kunst verzichtet werden. Darauf in der heutigen, so oberflächlich gewordenen Zeit jedoch zu hoffen, verbietet aber leider selbst der größte Optimismus. Den von öffentlicher Seite bestellten aber auch all den selbsternannten Kritikern rufe ich darum zum Schluss noch zu:
»Einmal getan wird immer mehr wert sein, als tausendmal zerredet.«
Oder zu deren Trost auch noch :
Selbst aus einem grottenschlechten Wein, wird, unter Umständen immer noch ein guter Essig!
Klaus Jürgen Miegel Offenbach im Juli 2007Auch darüber kann man ruhig einmal nachdenken !
Weitere Gedanken zur heutigen Kunst unter :
http://www.yur.tv/channel/miekla?page=4
Titel: Miegels Kunstbetrachtung 1-15
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