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Fälle im Yasni Exposé von Michaela Schaumann

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Person-Info

151
Unterstützung für traumatisierte Menschen
Geburtsname: Seelenschwarm , Spitzname: Seelenschwarm e.V., Land: Deutschland, Sprache: Deutsch
Ich biete: Seelenschwarm e.V., Unterstützung für traumatisierte Menschen, gemeinnütziger Verein, Dissoziative Identitätsstörung, Posttraumatische Belastungsstörung, Öffentlichkeitsarbeit, Psychoedukation, Sichtbar machen, Enttabuisieren
Michaela Schaumann @ Seelenschwarm e.V., Frankfurt

13 Bilder von Michaela

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1 - 9 von 13
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Dez 09  +
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Sept 11  +
Michaela Schaumann - Michaela Schaumann
Apr 10  3
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Mrz 12  +
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Okt 11  +
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Dez 09  +
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Mrz 10  +
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Dez 09  +
Michaela Schaumann @ Frankfurt
Dez 09  2

570 Informationen zu Michaela Schaumann

Hilfen für sexuell missbrauchte Mädchen und Jungen verbessern - Online Petition

Wenn heute Mädchen und Jungen nicht vor sexuellem Missbrauch geschützt werden… wenn heute betroffene Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene keine angemessene und ausreichende Hilfe bekommen… dann werden wir in 20 Jahren die heutigen Fälle sexuellen Missbrauchs aufarbeiten müssen. Der Runde Tisch „Sexueller Missbrauch“ forderte vor zwei Jahren den flächendeckenden Ausbau und die finanzielle Absicherung der Fachstellen gegen sexuellen Missbrauch. Bisher ist jedoch so gut wie nichts passiert. Bund, Länder und Kommunen schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Dies geht auf Kosten der Opfer. Im moralischen Sinne kommt dies einer unterlassenen Hilfeleistung gleich. Setzen Sie sich bei Ihren Abgeordneten auf kommunaler, Landes- und Bundesebene für die Interessen von sexuell missbrauchten Mädchen und Jungen ein! Engagieren Sie sich für das Recht von kindlichen und jugendlichen Opfern sexuellen Missbrauchs auf Beratung! Um den Zugang zum Beratungs- und Hilfenetz zu verbessern, hat der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs gemeinsam mit seinem Fachbeirat den folgenden Forderungskatalog erarbeitet, der im Rahmen eines Hearings „Kinder und Jugendliche – Beratung fördern, Rechte stärken“ gemeinsam mit Jugendlichen, Betroffenen, Eltern sexuell missbrauchter Mädchen und Jungen sowie Fachkräften weiterentwickelt wurde. * *(Anmerkung: Eine ausführliche Begründung der Forderungen finden Sie unter beauftragter-missbrauch.de/mod/resource/view. php?id=1000 zum Downloaden) Unterstützen Sie gemeinsam mit den Fachberatungsstellen diese Forderungen mit Ihrer Unterschrift: 1. Kinder und Jugendliche brauchen einen eigenständigen Rechtsanspruch auf Beratung. 2. Beratungsangebote und therapeutische Hilfen müssen leicht zugänglich, umfassend und auf die Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen abgestimmt sein. 3. Fachberatung gegen sexuellen Missbrauch muss flächendeckend ausgebaut sowie finanziell und personell abgesichert werden – entsprechend der Einwohnerzahl. 4. Versorgungslücken bei Therapieplätzen müssen geschlossen werden. 5. Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, brauchen themenspezifische Qualifikation. 6. Empirische Kenntnisse über die „insoweit erfahrenen Fachkräfte“ müssen gewonnen werden. (Dies sind Fachkräfte, die u.a. im Falle der Vermutung eines sexuellen Missbrauchs bei der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung beratend tätig sind.) 7. Sexuelle Grenzverletzungen durch Jugendliche und Kinder erfordern Unterstützung sowohl für Betroffene, Eltern und Fachkräfte als auch für sexuell übergriffige Jugendliche und Kinder. 8. Gerichtsverfahren müssen opfer- und kinderschonend gestaltet werden. 9. Gutachterinnen, Gutachter und Verfahrensbeistände müssen ausreichend für ihre Tätigkeit in Fällen sexuellen Missbrauchs qualifiziert sein.
Michaela Schaumann @ Frankfurt
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openpetition.de 20.02.13  +  

Im Netz lauert die Gefahr

2011-04-09T04:01:10 [Hamburger Abendblatt] - Cybermobbing und Missbrauch. In Stade gab es im vergangenen Jahr vier Fälle. Ein Theaterprojekt will Kinder und Jugendliche sensibilisieren Stade. Kinder und Jugendliche lieben sie: "Chats", kleine Plaudereien am Computer, die über das Internet
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abendblatt.de 12.04.11  +  

Was bedeutet traumatisiert?

Was bedeutet traumatisiert? Wenn ein Mensch sexualisierte Gewalt, körperliche Misshandlungen, aber auch Gewalt durch Kriegsverbrechen und Folter erlebt hat, hinterlässt das Erlittene tiefe Narben auf der Seele, die vom Opfer nicht mehr selbst geheilt werden können. Die Unmöglichkeit der Verarbeitung wird Traumatisierung genannt; daraus geht eine Reihe von komplexen Verhaltensmustern und -störungen hervor. Im schlimmsten Fall spaltet sich die Seele des Opfers in viele Anteile auf, um das Erlebte ertragen zu können; dann spricht man von einer dissoziativen Identitätsstörung - einem Phänomen, das in  Gesellschaft und in Fachkreisen noch immer zu wenig Beachtung findet. Zur Schwere des Problems einige Zahlen: Jeder 4. Erwachsene hat in seiner Kindheit traumatische Gewalterfahrungen erlitten. Jährlich werden insgesamt etwa 20.000 Fälle von sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern erfasst; die Dunkelziffer wird vom Bundeskriminalamt auf das 20-fache geschätzt. Mehr als 75% der Opfer sind Mädchen. Die Opfer von Kinderpornografie im Internet werden immer jünger: 80% der Opfer sind unter 10 Jahren,33% unter 3 Jahren,10% unter 2 Jahren alt.
Michaela Schaumann @ Frankfurt
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yasni 13.12.09  1  

Missbrauch: Initiative versagt Kirche den Gehorsam

2010-03-21T22:50:17 [ORF.at] - Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, räumte nun ein, dass in der katholischen Kirche Missbrauchsfälle
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news.orf.at 27.03.10  +  

INTERVIEW: „Da droht neue Enttäuschung“

2010-03-21T23:01:51 [Märkische Allgemeine] - Täglich werden neue Fälle von Missbrauch in katholischen und anderen Schulen bekannt. Doch fast alle Fälle sind längst verjährt, weil sie bereits in den
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maerkischeallgemeine.de 27.03.10  +  

Zahlreiche Anzeigen wegen Missbrauchs

2010-04-13T11:27:21 [ORF.at] - Gesammelt und aufgenommen wurden die Missbrauchsfälle im Landeskriminalamt von der Gruppe Sexualstrafrecht. Nach der Einvernahme der mutmaßlichen Opfer und
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ooe.orf.at 13.04.10  +  

Missbrauch an Kindern durch katholische Geistliche in Afrika

2010-04-07T17:08:27 [Kleine Zeitung] - Auch in Afrika hat es nach Angaben der katholischen Kirche Fälle von Missbrauch an Kindern durch Geistliche gegeben. Anders als in anderen Teilen der Welt
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kleinezeitung.at 07.04.10  +  

Vatikan entlässt Bischof wegen Missbrauchs - Märkische Allgemeine ...

2010-04-23 [] - redaktion@HavelcomOnline.de (HavelcomOnline) ()  Am Freitag entließ der Vatikan den Bischof der belgischen Stadt Brügge nur eine knappe Stunde nach dessen offiziellem Rücktritt vom Amt. „Der Papst verurteilt die Vorfälle aufs Schärfste und scheut sich nicht, daraus auch harte ...
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maerkischeallgemeine.de 24.04.10  +  

Vollmer soll bereits 2002 von Missbrauchsfällen erfahren haben

2010-04-03T18:40:51 [Spiegel Online] - Vorwurf gegen Antje Vollmer: Die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin sei bereits vor gut sieben Jahren über den Missbrauch an der Odenwaldschule informiert
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spiegel.de 04.04.10  +  

Regisseur thematisiert Missbrauch

2010-05-05T17:06:53 [Heilbronner Stimme] - Von Simon Gajer Kraichgau - Deutschland diskutiert über Missbrauchsfälle in der Kirche und in Schulen, und Felix Hassenfratz setzt das Thema Missbrauch als
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stimme.de 06.05.10  +  

Der Runde Tisch zu Missbrauchfällen hat sich konstituiert

2010-04-23T17:23:12 [Deutschlandradio] - Von Gudula Geuther, Hauptstadtstudio Nein, neu war es keinem, der sich intensiver mit dem Thema Missbrauch beschäftigt. Vielleicht die ganz konkrete
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dradio.de 24.04.10  +  

Missbrauch: Wiesbadener Kriminalpsychologe erklärt richtigen Umgang

2010-04-13T02:46:28 [Wiesbadener Kurier] - Von Wolfgang Degen Herr Egg, kaum ein Tag ohne Meldungen über Missbrauchsfälle, zum Teil Jahrzehnte zurückliegend. Was erleben wir gerade? Sehr
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wiesbadener-kurier.de 13.04.10  +  

Missbrauchsopfer verklagt Papst «

2010-04-23 fareus  Im Skandal um Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche der USA hat ein Opfer nun Papst Benedikt XVI. verklagt. Wie der Fernsehsender CNN berichtete, beschuldigt der Mann den Vatikan, die Missbrauchsfälle an einer katholischen Schule ...
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fareus.wordpress.com 24.04.10  +  

Missbrauch und der “Runde Tisch”

2010-04-23 Thomas Schneider  (TS) In Anbetracht der an die Öffentlichkeit gelangten Missbrauchsfälle der vergangenen Wochen hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ihre Arbeit am “Runden Tisch” aufgenommen. Insbesondere Schulen sollen in die Prävention ...
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schneider-breitenbrunn.de 24.04.10  +  

Prävention von sexuellem Missbrauch - Empfehlungen des Deutschen ...

Empfehlungen des Deutschen Caritasverbandes zur Prävention von sexuellem Missbrauch sowie zum Verhalten bei Missbrauchsfällen in den Diensten und Einrichtungen der ...
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caritas.de 06.05.10  +  

Missbrauch: Odenwald- Schule sucht Neuanfang :: Homepage ...

27. März 2010 ... An der Odenwaldschule versucht man drei Wochen nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen einen Neuanfang zu finden.
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mittelbayerische.de 30.03.10  +  

Bundesministerin der Justiz Sabine Leutheusser-...

26.03.2010 0:44 - by regionalhilfe on media « WordPress.com Tag Feed 26. März 2010. Zu den zahlreich bekanntgewordenen Fällen von Missbrauch von Kin ...
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humanrightsreporters.wordpress.com 30.03.10  +  

Missbrauch: Papst könnte sich noch zu deutschen ...

22.03.2010 13:51 - on WELT ONLINE Dass der Papst in seinem Hirtenbrief nicht explizit auf die Missbrauchsfälle in der Deutschen Kirche eingegangen ...
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welt.de 27.03.10  +  

Debatte um Missbrauchsfälle: Kollateralschäden in Kloster Ettal ...

14. März 2010 ... Von Manfred Lütz, Rom. DruckenVersendenSpeichernVorherige Seite. link · furl · oneview · yigg · webnews · facebook · wong · delicious · digg ...
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faz.net 21.03.10  +  

Multiple Persönlichkeiten - Aufsatz von Fr. R. Steinhage (2004)

Aufsätze/MultipleEinf.GwG.2004 Aufsatz veröffentlicht in: Gesprächspsychotherapie und Beratung, Heft 3/2004, S.206-213. Multiple Persönlichkeiten eine Folge extremer Gewaltanwendung Rosemarie Steinhage, Wiesbaden 2004 Die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung (DIS), früher „Multiple Persönlichkeit“ wird in Psychotherapiekreisen strittig diskutiert. Es gibt viele Zweifel an diesem Krankheitsbild je-doch bisher wenig Erfahrung im Umgang damit. Dieser Aufsatz gibt eine Einführung in das Krankheitsbild und den Umgang damit in der ambulanten Psychotherapie. Wie die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen bin ich durch Zufall auf dieses Krankheits-bild gestoßen. Seitdem habe ich mehrere Frauen mit dieser Diagnose in Psychotherapie und habe viele Psychotherapeut(inn)en, die eine multiple Klientin behandeln, supervisorisch be-gleitet. Anfang der 90iger Jahre kam eine damals 26 jährige Frau in Psychotherapie. Diese war von ihrem Vater schwer misshandelt, vom Großvater mütterlicherseits und vom Vater sowie von dessen Freunden – zum Teil gemeinschaftlich - schon im Babyalter sexuell missbraucht worden. Die Mutter war bei den Misshandlungen in der Wohnung anwesend, einmal hatte sie demonstrativ die Wohnung verlassen, während der Vater die Tochter so schwer misshandel-te, dass diese dachte, dass sie diese Misshandlung nicht überleben würde. Sechszehnjährig und zwanzigjährig hatte sie versucht, sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen. Beide Male war sie „wie durch einen Zufall“ gefunden worden. Sie hatte eine Berufsausbildung ab-geschlossen, in dem Beruf auch mehrere Jahre gearbeitet und befand sich zu Beginn der Psychotherapie in der Mitte ihres Studiums. Die junge Frau hatte den Kontakt zu ihren Eltern seit Jahren vollkommen abgebrochen. Mir ist damals aufgefallen, welch ungeheure Kraft und welch ein starker Wille in der Frau steck-te. Trotz traumatischer Kindheit, zwei Suizidversuchen und permanentem inneren psychi-schen Stress hatte sie ein Studium angefangen und gleichzeitig begonnen, in einer Psycho-therapie, die in der Kindheit widerfahrene schwere Gewalt aufzuarbeiten. Mir erschien das alles zusammen als eine ungeheure Belastung. Sie schloss ihr Studium während der thera-peutischen Behandlung mit der Note „sehr gut“ ab. Die Frau hatte alle Symptome einer schweren Posttraumatischen Belastungsstörung. Die Diagnose, die von KollegInnen gestellt worden war, hieß „schwere Depression“. Die Arbeit ging gut voran. Nachdem Teile der schweren Misshandlung und des sexuellen Missbrauchs in Therapie bearbeitet worden waren, hatte sie beschlossen, mit ihrer Tante darüber zu sprechen, dass der Vater sie missbraucht habe. Das Gespräch fand zu ihrer Zu-friedenheit statt. Sie war sehr erleichtert, dass die Tante ihr glaubte. Wenige Wochen später kam sie in die Sitzung vollkommen verändert: Steif und starr in ihrer gesamten Körperhaltung. Ihr Gang eher mechanisch und roboterhaft als habe sie einen Stock verschluckt. Ihre Augen waren von Angst geweitet. Sie konnte nur - mit großen Ge-sprächspausen - flüstern. Das Sprechen fiel ihr sichtbar schwer. Unter großen Anstrengun-gen ihrerseits, sich mir verständlich zu machen und meinerseits, das Flüstern richtig zu ver-stehen, konnte ich herausfinden, dass der Vater sich nach ca. zehn Jahren bei ihr telefonisch gemeldet hatte. Die Tante hatte in einem Familienstreit dem Vater die Misshandlungen und Vergewaltigungen der Tochter vorgeworfen. Der Vater drohte der Tochter, falls sie weiter „solche Sachen“ erzähle, würde er sie aufsuchen. Die alte Angst war aktualisiert. Angst, der Vater könne täglich vor der Türe stehen, Angst, er würde seine Drohungen aus Kindheit und Jugend, sie zu töten, falls sie darüber spreche, realisieren. Eine Arbeit daran war schwer möglich. Die junge Frau blieb starr, fast regungslos in dieser Körperhaltung und die Angst blieb in ihren Augen sichtbar; der Flüsterton über viele Sitzun-gen erhalten. Sie war nur mühsam zu verstehen, jedes Wort war für sie eine Qual. Ich spürte deutlich meine fachlichen Grenzen. Auch meine Supervisionsgruppe konnte mir nicht weiterhelfen. Alle empfohlenen Interventionen brachten nicht das gewünschte Ergebnis und ich zog den Ärger der gesamten Gruppe auf mich. Ich wurde ärgerlich auf die Patientin, weil sich nichts bewegte und die Supervisionsgruppe auf mich. Eine Verbesserung des Zu-standes der Patientin trat nicht ein. In meiner Not und in der Angst, der Zustand der Patientin könne sich noch verschlimmern, hatte ich nur noch eine Idee: Ich las noch einmal meine Sitzungsprotokolle, um zu verstehen, wie es zu dem Zustand gekommen war, welche Interventionen schon versucht waren, in der Hoffnung, eine neue Idee zu bekommen. In dem Protokoll der Sitzung, in der die Patientin zum ersten Mal in dem versteinerten Zustand zur Therapie kam, fand ich meine Aufzeich-nung über die körperliche Verfassung der Patientin: „Sie ist so verändert als wäre sie nicht meine Patientin“. In der Distanz zu der Sitzung (es waren sicherlich 6-8 Wochen vergangen) brachte dieser Satz Klarheit. Wie beim Focusing spürte ich den „felt sense“. Genauso war es: Sie war nicht meine Patientin. Ich hatte vor vielen Jahren das Buch: Sybil (Schreiber 1984) – wie einen Krimi – gelesen und ich war mir jetzt sicher, dass diese junge Frau sich in einem dissoziativen Zustand befand. Die Erleichterung, die Lösung gefunden zu haben, spürte ich körperlich: Es fiel mir ein Stein vom Herzen. Danach trat jedoch bei mir erneut Angst auf: Was mache ich mit diesem Wissen? Wie interveniere ich in der nächsten Sitzung? Wo kann ich mir supervisorisch Hilfe holen? Viele Fragen, keine Antworten. Zunächst kaufte ich mir noch mal das Buch „Sybil“. Immerhin wusste ich jetzt, dass die Diag-nose wahrscheinlich „Multiple Persönlichkeitsstörung“ war. Die nächste Sitzung kam, ohne dass ich Ideen bekommen hatte, wie ich intervenieren könnte, auch nicht, wie man dieses Krankheitsbild behandelt. Als besonders schlimm empfand ich, dass ich meine Überlegun-gen damals mit keinem der Kolleg(inn)en teilen konnte. In der folgenden Sitzung kam die Patientin wie immer: Starr und steif in der Haltung; angst-voll geweitete Augen und sprach zunächst nichts. Ich sprach sie mit Vornamen an: „Anja…“ Sie sagte: „Ich bin nicht Anja“. „ Wer bist du?“ fragte ich – „Ich bin Sarah“. Ich habe Angst. Ich habe riesige Angst, dass er kommt und uns alle umbringt“, flüsterte sie. „Du hast Angst, dass er euch alle umbringt“, wiederhole ich nur, nicht wissend, wie mir geschieht. „Ja, er wird uns umbringen“. „Wer ich euch?“ fragte ich (ich wusste, dass sie allein wohnt.) „Na, uns“ sagt sie. „Da ist noch Anja, und die Beobachterin, die alles weiß, weil sie alles beobachtet hat, und Katie und die Kinder. Wie viele seid ihr? „Vielleicht sechs oder sieben“. „Sechs oder sie-ben in einem Körper“? Obwohl sich jetzt bestätigte, was ich in den Tagen vorher gelesen hatte, fühlte ich mich sehr hilflos im Gespräch mit Sarah. Ich stellte viele Fragen und sie erzählte: Über sich und die anderen, wie viele es gibt, welche Rollen die einzelnen im System haben, etc. Ich war sprachlos, mein Gehirn arbeitete wie ein Computer. Wie sollte ich mir das alles merken? Die Stunde verging wie im Flug. Ich war danach irgendwie glücklich und froh aber auch „wie er-schlagen“. Was jetzt? Ich hatte für diese Behandlung keine Ausbildung. Wo würde ich Su-pervision, wo Literatur darüber finden? Wie könnte ich die Frau weiterbehandeln, ohne das geringste Wissen darüber? Wohin könnte ich sie weitervermitteln? Nicht immer treten Alter-Identitäten auf diese Weise mit der TherapeutIn in Kontakt. Dissoziative Identitätsstörung (DIS) Die Beschäftigung mit dem Thema Persönlichkeitsspaltung (Dissoziation) ist nicht neu. Der erste, der sich mit Dissoziation bei Menschen befasste, war Pierre Janet (1859-1947). Aus verschiedenen Gründen - deren Ausführung den Rahmen dieses Artikels sprengen würden - wurde das für die Gesellschaft unangenehme Thema für Jahrzehnte aus der öffentlichen Diskussion verbannt (hierzu: Putnam 2003; Overkamp et al. 1997, S.74, Huber 1995) Der Frauenbewegung ist es zu verdanken, dass das Thema sexueller Missbrauch von Kin-dern in den 80iger Jahren - als sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Jungen erkannt und benannt - auch von der Fachöffentlichkeit wieder ernsthaft aufgegriffen wurde. Schwere Traumatisierungen durch Sexuellen Missbrauch in der Kindheit (vor allem durch Eltern und nahe Verwandte) und Kindesmisshandlung werden inzwischen als eine der wich-tigsten und häufigsten Ursachen für die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) erkannt (Huber 1995, Huber 2003a; 2003b; Putnam 2003, 77). Dissoziative Symptome sind aber auch Folge von Traumatisierungen durch Krieg und Folter. Man schätzt die Häufigkeit der DIS bei ca. 5% (Putnam 2003). Zu vermuten ist, dass sich nicht das Vorkommen der DIS erhöht hat sondern die Diagnostik und das Verständnis und Wissen über frühkindliche Traumatisierun-gen und deren Folgen verbessert haben (Overkamp et al 1997; Putnam 2003). Die Anzahl der unterschiedlichen Alter-Pesönlichkeiten erwachsener Menschen mit DIS steht in einer signifikanten Korrelation zu Anzahl der unterschiedlichen Traumata, die den Men-schen in ihrer Kindheit widerfahren ist (Putnam 2003, 78). Dissoziationen treten in nichtpathologischen Formen wie Tagträumen bis zu stark pathologi-schen Formen wie bei der Multiplen Persönlichkeit auf. „Traditionell werden dissoziative Stö-rungen als akute, zeitlich beschränkte Reaktionen verstanden, die einem traumatischen Er-eignis unmittelbar folgen“ (Putnam 2003, 21). Eindeutigkeit besteht bei fortschrittlichen Wis-senschaftlerInnen inzwischen darin, dass der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) schwere Traumata zugrunde liegen. „Die weite Verbreitung dissoziativer Reaktionen und ihre vielen Formen und Gestalten spre-chen dafür, dass die Dissoziationen für den Menschen eine wichtige Funktionen erfüllen und dass sie für die Sicherung des Überlebens von großer Bedeutung sind“ (Ludwig 1983, 95). Definition: Dissoziative Identitätsstörung: Laut ICD 10 ist das Hauptkriterium für DIS (Multiple Persönlichkeitsstörung ;F 44.81): Das Vorhandensein von zwei oder mehr verschiedenen Persönlichkeiten in einem Indivi-duum. Diese verfügen über eigene Erinnerungen, Verhaltensweisen und Vorlieben, von de-nen zu einem Zeitpunkt jeweils nur eine außen sichtbar ist. „Die ICD 10 stellt (…) einen en-gen Zusammenhang zu einem traumatischen Ereignis her, das als Auslöser für einen ersten Wechsel beziehungsweise das Entstehen der ersten anderen Persönlichkeit gilt“ (Overkamp et al 1997, 75). Auch im DSM IV (1998) ist die Dissoziative Identitätsstörung (vormals multiple Persönlich-keitsstörung) definiert als: Die Existenz von zwei oder mehr unterschiedlichen Identitäten oder Persönlichkeitszustän-den. Jede mit einem eigenen, relativ überdauernden Muster, die Umgebung und sich selbst wahrzunehmen, sich auf sie zu beziehen und sich gedanklich mit ihnen auseinanderzuset-zen. Mindestens zwei dieser Identitäten oder Persönlichkeitszustände übernehmen wieder-holt die Kontrolle über das Verhalten der Person. Die Person ist unfähig, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die zu umfassend sind, um durch gewöhnliche Ver-gesslichkeit erklärt zu werden. Die Anzahl der Identitäten kann von zwei bis mehr als 100 reichen (DSM IV, 1998). Nach der International Society for the Study of Dissociation (ISSD) ist das Stellen der Diag-nose DIS gerechtfertigt, wenn eine Person an mindestens ein bis zwei Gelegenheiten Kon-takt mit mindestens zwei verschiedenen Persönlichkeitszuständen hatte und diese auch wieder erkennen konnte; Diese sich also in einer kontinuierlichen/konstanten Form zeigten ( Overkamp et al 1997, 76). Die Auswirkungen von schweren Traumata im Kindesalter auf die Hirnentwicklung beschreibt der Neurobiologe Hüther folgendermaßen: Wenn es einem Kind nach einer traumatischen Erfahrung nicht gelingt diese unkontrollierten Stressreaktionen irgendwie anzuhalten, so ist es verloren, denn die dadurch ausgelösten Destabilisierungsprozesse können lebensbedroh-liche Ausmaße annehmen. Jedes traumatisierte Kind spürt das und es wird deshalb mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die traumatische Erfahrung und die post-traumatische immer wieder aufflammende Erinnerungen an das erlebte Trauma unter Kon-trolle zu bringen. Wenn das Trauma durch enge Bezugspersonen ausgelöst worden ist, kann es sich auf Unterstützung von Menschen nicht mehr verlassen; es hat kein Vertrauen zu Menschen mehr. Wenn alle bisher erlernten Bewältigungsstrategien nicht ausreichen, den Stress unter Kontrolle zu kriegen, ist die einzige Strategie, die ihm noch Linderung verschaf-fen kann, die Abkoppelung der traumatischen Erfahrung aus dem Erinnerungsschatz, ihre Ausklammerung durch eine gezielt veränderte Wahrnehmung und assoziative Verarbeitung von Phänomenen der Außenwelt“ (Hüther 2003, 102). Die Folgen dieser Überlebensstrate-gien sind: Bewusstseinsveränderungen, Amnesien, Hypermnesien, Dissoziationen, Deper-sonalisations- und Derealisationsphänomene, Flashbacks und Alpträume (Hüther, 2003, 103). Die Dissoziation ist demnach eine Bewältigungsstrategie permanenten psychischen Stress unter Kontrolle zu halten. Das bedeutet für das Kind einen dauerhaften, ungeheueren psychischen Energieaufwand und ist eine Fähigkeit, andauernden psychischen Stress zu überleben. Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung leben in mehreren Identitäten, die sich mit ihren spezifischen Verhaltensweisen, Einstellungen, Erinnerungen, Krankheiten, Ge-wohnheiten, Fähigkeiten, Vorlieben und eigenem Stil von einander unterscheiden. In über 80 % sind Frauen von diesem Krankheitsbild betroffen (Overkamp et al., 79). Die Persönlichkeit, die die meiste Zeit den Alltag regelt (in der wiss. Literatur auch „Gastgeberin“ oder „host“ genannt), hat zunächst keinerlei Kontakt zu den anderen Identitäten und weiß auch von deren Existenz nichts. Sie leidet unter extremen Zeitlücken und Amnesien und sieht sich immer wieder mit Handlungen konfrontiert, die ihre Alter-Ichs ausgeführt haben, ohne zunächst eine Ahnung von deren Existenz zu haben. Für diese Frauen ist der Alltag sehr schwierig, weil sie Zeit verlieren und große Erinnerungs-lücken haben. Sie hören Stimmen in ihrem Kopf, finden Kleidungsstücke und andere Dinge in ihrer Wohnung, an deren Anschaffung sie sich nicht erinnern und sie bemerken in ihren Aufzeichnungen unterschiedliche Handschriften, etc. Frauen mit dem Krankheitsbild DIS leiden neben den dissoziativen Phänomen häufig unter vielfältigen klinischen Symptomen wie: Kopfschmerzen, Panikanfälle, Depressionen, selbstzerstörerischen und selbstverletzenden Verhaltensweisen z.B. Drogenmissbrauch und Prostitution sowie unter Schlafstörungen, Sexualstörungen, Zwangsphänomenen, Essstö-rungen, akustische Halluzinationen und unerklärlichen körperlichen Schmerzen (Putnam 2003, 83ff). Die Entstehung Multipler Persönlichkeiten Hauptursache der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) sind schwere Traumata in der Regel schon in der Kindheit (Huber 1995, Overkamp et al 1997, 78; Putnam 2003, 77). Ein Trauma beschreibt eine Gewalteinwirkung, die von außen so heftig und plötzlich auf eine Person einwirkt, dass diese dadurch in einen Angst-, Schreck- und Stresszustand ver-setzt wird. Das plötzliche Auftreten und die Heftigkeit der Intensität bewirken, dass die Per-son sich weder rechtzeitig in Sicherheit bringen, noch irgendwie schützen und der Situation auch nicht entkommen kann. Sie wird von dem Ereignis ungeschützt überrollt. Kampf und Flucht (fight or flight) sind nicht möglich. Die Person fühlt ihr Leben existenziell bedroht. Sie hat das Gefühl: Jetzt ist alles aus! Sie fühlt sich durch die Bedrohung überwältigt. Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Schutzlosigkeit treten auf, häufig verbunden mit körperlichen Schmerzen und Verletzungen. Dadurch, dass das Ereignis sich der Person so plötzlich und heftig von außen bemächtigt, können innerpsychisch keine kognitiven, emotional-affektiven und psychomotorischen Schutz- und Anpassungsmechanismen mobilisiert werden. Das Ereignis kann kognitiv nicht – wie in anderen Lebenssituationen – eingeordnet werden. Der Stresspegel steigt so hoch, dass es zum Zerreißen der Wahrnehmung und des Traumaerlebens kommt (Besser 1998). Als Folge treten autoprotektive Wahrnehmungsveränderungen auf. Das sind Schutzmecha-nismen, die den traumatisierten Menschen im Augenblick des traumatischen Ereignisses weniger spüren und leiden lassen. Man nennt sie Dissoziation. Die Dissoziation umschreibt Phänomene, die sich graduell steigern: Vom Entfremdungserle-ben der Umgebung (Derealisation) über Entfremdungserleben der eigenen Person (Deper-sonalisation), der erlösenden Ohnmacht/Bewusstlosigkeit bis zur Fragmentierung des trau-matischen Ereignisses. Die Sinneseindrücke werden vom narrativen Gedächtnis getrennt gespeichert. Im Extremfall führt die Traumatisierung zur Zersplitterung der (Selbst-) Wahr-nehmung, also zur Ich-Fragmentierung (Besser 1998). Der Stresspegel, der durch das traumatische Ereignis verursacht wird, ist so groß, dass er vom Gehirn nicht adäquat verarbeitet werden kann. Er ist zu überwältigend, daran würde der Mensch sterben. Das Gehirn speichert die Informationen deshalb - als Schutz - fraktioniert. Die Traumafragmente: Alle Sinneseindrücke wie Angst; Schrecken und alle zugehörigen körperlichen Erscheinungen, wie Atembeschleunigung, Atemnot, Schwindel, nahende Ohn-macht, Zittern, Schwächegefühle, weiche Knie, Schmerz, Übelkeit etc. werden – wie die Splitter eines zersprungenen Spiegels (Besser 1998) isoliert bzw. dissoziiert gespeichert und damit aus dem Zusammenhang gerissen. Dem betroffenen Menschen ist eine Zuordnung zunächst unmöglich, weil die Erinnerungen nicht „ordnungsgemäß“ im narrativen Gedächtnis abgespeichert werden konnten. Dieser Schutzmechnismus ist eine Fähigkeit des Gehirns das Überleben zu sichern und körperliche und psychische Schmerzen zu verringern. Nach dem Trauma ist nichts mehr wie es war. Die Traumatisierten haben den Glauben an das Gute im Menschen, an das Gute in der Welt, ihre Grundsicherheit verloren. Die im Gehirn getrennt gespeicherten Traumabilder und -Szenen können später jederzeit als flashback oder filmartig ablaufende Erinnerungen auftauchen. Falls sie von außen durch ei-nen Auslösereiz angetriggert werden, kann das unkontrolliert geschehen. Die Patientinnen fühlen sich von Erinnerungen überrollt. Sie können den Ablauf anfangs auch nicht selbst stoppen. In der Psychotherapie können diese Splitter – durch geplante vorsichtige Trauma-konfrontation - wieder zu einem Ganzen zusammengefügt werden. Für die Patientin bedeu-tet das, sämtliche traumabegleitenden Gefühle nach und nach wieder – diesmal im Beisein und Schutz des/der Therapeuten/in – in kontrolliertem Rahmen - wieder spüren zu müssen. Solche traumatischen Ereignisse sind z. B. gewalttätige Angriffe auf den Körper, das Leben oder die soziale Existenz, Terroranschläge und Folter im Krieg oder in kriminellen und politi-schen Zusammenhängen. Naturkatastrophen, schwere Unfälle und lebensbedrohliche Er-krankungen. Dazu gehören auch: physische und psychische Misshandlungen, Folter, sexualisierte Gewalt durch Eindringen in den Körper auf verschiedenste Art. Die Auswirkungen im Leben der Be-troffenen verschlimmern und verstärken sich, wenn die Traumatisierung in früher Kindheit beginnt über einen langen Zeitraum anhält und niemals darüber gesprochen werden durfte. Beginnt die Traumatisierung in früher Kindheit sind in der Regel die Mutter und Vater oder andere primäre Bezugspersonen als Täter(innen) beteiligt. Naturkatastrophen, Unfälle und schwere Krankheiten sind Traumata, die die Betroffenen als real einordnen dürfen. Es sind gesellschaftlich akzeptierte Traumata. Man kann darüber sprechen; z. T. berichten Medien darüber (bei Naturkatastrophen und Unfällen). Nahe sozia-le Beziehungen, medizinische und psychologische Versorgungseinrichtungen und auch die Öffentlichkeit wirken in der Regel unterstützend bei der Integration solcher Traumata: Ihre Unterstützung bewirkt, dass die Traumabilder und –szenen wieder mit Sinneseindrücken verknüpft und beides zusammen im narrativen Gedächtnis abgespeichert werden kann. Schwerer Misshandlung, sexualisierte Gewalt, Kriegsereignisse, Folter im Krieg oder in kri-minellen und politischen Zusammenhängen sind Traumata, von Menschen bewusst herbei-geführt, die nicht real werden dürfen. Hier ist das nahe soziale Umfeld weder bereit - noch in der Lage, dem Kind zu helfen, diese Traumata zu integrieren. Im Gegenteil: Das nahe so-ziale Umfeld, erste und enge Bezugspersonen, sind daran interessiert und tun alles dafür, dass die Ereignisse nicht erinnert werden. Oftmals sind diese Misshandlungen mit Sprech-verboten und Lebensbedrohungen verbunden: „Wenn du darüber sprichst, bringe ich dich um“. Die Dissoziation ist also ein lebensrettenden Schutzmechnismus des menschlichen Gehirns in traumatischen Situationen. Es gibt – wie oben dargestellt – verschieden Ausprä-gungen der Dissoziation. Die Intensität der Dissoziation hängt von der Schwere und der Häu-figkeit des Übergriffs/Angriffs auf eine Person ab, die zum Schutz mit Dissoziation reagieren muss, um ihr Leben zu retten. Die ambulante Psychotherapie Der Dissoziation liegen in der Regel – wie dargestellt - schwere Traumatisierungen zugrun-de. Patientinnen mit der Diagnose DIS, Multiplen Persönlichkeit, brauchen eine person-zentriete psychotherapeutische Behandlung, die Konzepten einer Traumatherapie entspricht (Huber 2003b; Reddemann/Sachsse 1997; 2000a; 2000b; Reddemann 2001); die jedoch aufgrund der Ichspaltung in wesentlichen Punkten erweitert werden sollte. So ist zum Bei-spiel die Täterintrojektarbeit – wie sie bei Traumatisierten - aber nicht multiplen Menschen - durchaus erfolgreich durchführt wird – aufgrund der Ichspaltung bei Multiplen so nicht anzu-wenden (Reddemann 1997). Grundsätzlich gilt für die Psychotherapie mit Multiplen Persönlichkeiten: Die TherapeutIn sollte: • die Bedürfnisse der Pat. beachten • wissen, dass die Pat. immer Recht hat und weiß, wann für sie der richtige Zeitpunkt ist, etwas zu beginnen. Das bedeutet, die Patientin zu nichts drängen. • wissen, dass die Patientin Expertin für ihre Situation ist. • bei Angst beruhigend wirken; Sicherheit herstellen. • Sicherheit vermitteln (z.B. über Information über das Krankheitsbild, die Auswirkungen, den Verlauf der Psychotherapie etc.) • die Patientin zur Selbsthilfe anregen • die Ressourcen der Patientin erkennen und benennen: Wie sie sich bisher gerettet bzw. geschützt hat. • alle Copingstrategien als Überlebensstrategien würdigen, auch wenn sie der Therapeu-tIn noch so bizarr erscheinen • alles, was der Patientin Stress verursacht, vermeiden • die Bedeutung des Schweigens und Sprechens bei Sexualisierter Gewalt kennen und auch seine Auswirkungen auf die Psychotherapie • der Patientin helfen, Unsagbares in Worte zu fassen (auch innere Zustände) • der Patientin helfen, reale Bedrohung durch die Außenwelt von innerer Bedrohung zu unterscheiden Für die Arbeit mit multiplen Menschen ist darüber hinaus wichtig zu wissen: Die Persönlich-keit, die den Alltag regelt, zur Arbeit oder zur Schule geht und die sozialen Beziehungen un-terhält, wird in der Fachliteratur „Gastgeberin“ oder „host“ genannt. Sie ist in der Regel nicht die ursprüngliche Persönlichkeit, sondern ein durch Trauma entstandenes Ich. Patientinnen mit Dissoziativer Identitätsstörung (auch wenn diese noch nicht diagnostiziert wurde), sind Frauen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in der Psychotherapie schon mehrere Male in Psychotherapie waren, ohne entscheidende Verbesserung ihrer Symptomatik. Häu-fig waren sie auch schon mehrfach in der Psychiatrie. Sie reagieren auf starkem Stress und innerem Druck mit Selbstverletzung und Suizidversuchen. Meistens wurden schon mehrere Diagnosen gestellt. Eine gute Vertrauensbasis der Patientin zur Therapeutin oder zum Therapeuten ist die Vor-aussetzung, dass sich andere Identitäten in der Psychotherapie zu erkennen geben. Diagnosestellung: Sobald sich eine Alter-Identität in der Psychotherapie zeigt, sollte mit der Patientin über die Diagnose gesprochen werden. Meine Vorgehensweise dabei ist, die Pati-entinnen nicht mit der Diagnose zu konfrontieren, sondern mit ihnen die Diagnose zu erarbei-ten. Ich spreche mit ihnen über die Erscheinungsformen ihres Krankheitsbildes und frage, ob sie wissen, wie die Diagnose dafür heißt. Erfahrungsgemäß wissen die Frauen oft schon, um welche Diagnose es sich handelt, wenn sie sich auch schwer tun, diese zu benennen. Ich lasse ihnen die Zeit, die sie brauchen, bis sie die Diagnose selbst benennen. Das Benennen der Diagnose – nach dem Schrittweisen erarbeiten - empfinden sie schließlich als große Er-leichterung. Endlich haben sie eine Erklärung für die vielen Phänomene, die ihr den Alltag erschweren, die für sie zum Teil unheimlich waren: Stundenlange Amnesien und keine Ah-nung, wo ihr Körper in der Zeit gewesen war; wieso sie immer wieder verschiedene Klei-dungstücke in ihrem Kleiderschrank finden, die sie nicht gekauft haben und die sie niemals tragen würden. Wieso es Lebensmittel in ihrem Kühlschrank gibt, die sie nicht besorgt haben und die ihnen auch nicht schmecken, u. v. m. All dies hatte sie oft mit Panik erfüllt aber sie hatten lange nicht den Mut, mit ihrer Therapeutin darüber zu sprechen. Als Identitäten treten in der Zeit - nach der Diagnosestellung - in der Regel mehrere Alter-Persönlichkeiten (Kinder und Jugendliche, Mädchen und Jungen, Erwachsene: Männer und Frauen) nach und nach mit der Therapeutin in Kontakt. Sie befinden sich alle in einem Frau-enkörper. Sie haben unterschiedliche Aufgaben im System. Jedes Alter-Ich ist eine Folge extremer Traumatisierung. Das Lebensalter jeden Alter-Ichs ist das Lebensalter, in dem eine schwere Traumatisierung geschah, die eine Identitätsspaltung zur Folge hatte. Die jeweilige Identität ist auf dieses Lebensalter eingefroren. Manchmal gibt es mehrere Alter-Ichs eines Lebensalters, auch Zwillinge sind nicht selten. Nicht jede Persönlichkeit ist so ausgeprägt, dass sie alltagstauglich ist. In jedem multiplen System gibt es Beschützer(innen), deren Auf-gabe es ist, nicht mit Menschen in Kontakt zu treten, sondern den Schutz der Alter-Ichs im Innern zu regeln. Darüber hinaus gibt es Aufpasser(innen), die dafür sorgen, dass bestimmte Informationen (z. B. über die Verbrechen, die an dem Kind begangen wurden) von der All-tagspersönlichkeit oder anderen Alter-Ichs niemandem, auch nicht der Therapeutin, mitge-teilt werden. Sie kontrollieren das Gesagte, bestrafen, wenn Mitteilungen nach außen drin-gen. Sie sind täterloyale Introjekte. Auch sie begreifen ihre Aufgabe als Schutz des Systems: Wenn niemand etwas verrät, wird es keine schlimmeren Bestrafungen seitens der realen Täter geben. Auch damit haben sie das Leben der Patientin damals gerettet. Die erste und wichtigste Aufgabe in der Psychotherapie ist, der Patientin so viel Information wie möglich über das Krankheitsbild und seine Entstehung zu geben. Die Patientin ist die Expertin für ihre Situation. Sie hat im Therapieprozess immer Recht. Sie bestimmt die Ziele der Psychotherapie, hat ein Recht „nein“ und „stopp“ zu sagen. Die Integration der unter-schiedlichen Identitäten ist für die Patientin zunächst kein Therapieziel, weil die Identitäten zunächst Angst haben, dass sie - durch die Integration - getötet werden sollen. Ein erstes Therapieziel ist, die innere Kommunikation der unterschiedlichen Identitäten un-tereinander zu verbessern, damit diese sich kennen lernen und besser miteinander kommu-nizieren und vor allem kooperieren. Dazu ist es notwendig und unumgänglich, dass die The-rapeutin, die alltagstauglichen Identitäten kennen lernt, weil die Alltagspersönlichkeit oftmals die anderen Identitäten erst dann erkennen und als solche im Innen „orten“ kann, wenn diese mit einem anderen vertrauten Menschen, z.B. der Therapeutin, in Kontakt getreten ist. Die einzelnen Identitäten sind unterschiedlich sensibel für Schmerzen. Einige spüren zunächst keinen Schmerz. Sie können den Körper verletzen, weil sie den Schmerz selbst nicht spüren. Anfänglich wissen sie auch nicht, dass es nur den einen Körper gibt und dass sie sich bei Selbstverletzungen auch selbst die Verletzung zufügen. Sie nehmen den Körper als solchen gar nicht wahr, weil sie ihn nicht spüren. Aufgabe der TherapeutIn ist, ihnen zu vermitteln, dass es nur einen Körper gibt, der nicht verletzt werden darf, sondern der versorgt und ge-pflegt werden muss: Es wird eine Zeit dauern bis sie es verstehen. Anfänglich bekämpfen sich die Persönlichkeiten heftig. Ihre gelernten Überlebensstrategien widersprechen sich oftmals, so dass sie kommunizieren müssen, um sich gegenseitig zu verstehen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Zum Beispiel möchte eine der TherapeutIn erzählen, was geschehen ist, was „böse Erwachsene“ ihr angetan haben. Für sie ist es wich-tig, sich der Therapeutin mitzuteilen und geglaubt zu bekommen. Nur so kann das, was ihr angetan wurde, über das sie noch mit niemandem gesprochen hat, real werden und verar-beitet werden. Eine täterloyale Identität empfindet das Darübersprechen jedoch als Verrat und sie muss Verrat mit Selbstverletzung bestrafen. Zunächst muss die TherapeutIn, nach-dem sie die Überlebensstrategien verstanden hat, erklären und vermitteln. Nach und nach kann sich die Patientin selbst gut mit einigen Persönlichkeiten verständigen und Absprachen über den Alltag treffen. Die innere Kommunikation verbessert sich darüber. Es gibt zuneh-mend weniger Zeitverluste. Die TherapeutIn sollte keine der Identitäten bevorzugen, sondern sich darum bemühen alle gleichermaßen wertzuschätzen. Es ist wichtig, keine Geheimnisse mit einigen Identitäten zu haben, sondern die Kommunikation untereinander zu fördern. Es gibt keine guten und bösen Identitäten, sondern „die Hellen“ und „die Dunklen“ oder „die hinten“ und „die vorne“, wie die Multiple ihre Anteile selbst nennen. „Die Dunklen“ und „die hinten“ sind Bezeichnungen für täterloyale Anteile. Sind Absprachen zu treffen, ist es sinnvoll alle dazu zu befragen bzw. dazu anzuleiten, dass alle dazu gehört werden. Erwachsene Alters sind anzuregen, sich um die Kinder zu kümmern. Wichtigkeit der Namen der Alter-Identitäten: Für die unterschiedlichen Identitäten ist es wichtig, dass sie von der TherapeutIn bei dem Namen gerufen werden, mit dem sie sich der Therapeutin zu erkennen geben. Wenn ein 15 jähriger Jugendliche sich der TherapeutIn als Mike vorstellt, sollte diese ihn bei diesem Namen nennen und nicht mit Frau x ansprechen, weil das nicht seine Identität ist. Er empfindet es als abwertend und fühlt sich in seiner Identi-tät nicht wahrgenommen, wenn die Therapeutin ihn immer wieder mit Frau x. anspricht. Die Angst vieler Therapeutinnen, dass die Klientin noch mehr zersplittern könne, ist unbegrün-det. Die Spaltungen geschehen ausschließlich durch schwere Gewalteinwirkungen. Die TherapeutIn sollte alle Persönlichkeiten mit Namen kennen, die in der Lage sind, den Alltag zu regeln. Sie sollte mit der Patientin besprechen, wen sie rufen soll, wenn die Patien-tin in der Sitzung dissoziiert und nicht mehr ansprechbar ist. Treten Flashbacks oder Disso-ziationen während der Sitzung auf, kann die TherapeutIn – nach Absprache mit der Patientin zum Beispiel Mike rufen. Das funktioniert z. B. so, dass die TherapeutIn sagt: Mike, kannst du bitte rauskommen? Mike hörst du mich? Mike, kannst du bitte das Außen übernehmen? Ich bin die Therapeutin Frau xy. Heute ist Dienstag, der 27. Juli 2004. Du befindest dich in meiner Praxis in Wiesbaden. Mike hörst du mich? Mach bitte deine Augen auf und schau mich an. Welche Dinge erkennst in meinem Raum? …. So angesprochen, kann Mike raus-kommen und sich wieder in Zeit und Raum orientieren. Auf keinen Fall sollten Thera-peut(inn)en die Patientin in dissoziertem Zustand berühren, ohne das vorher mit ihr abge-sprochen zu haben. Switches oder Wechsel: Wenn die Patientin in eine andere Identität wechselt, ist für die Identität, die vorher da war, ein so hoher Stresszustand erreicht, dass sie sich in das Innen zurückziehen muss. In der Psychotherapie sind plötzliche Wechsel ein Zeichen dafür, dass die Arbeit zu schnell vorangeht und der Inhalt für die jeweilige Identität emotional zu belas-tend ist oder dass sie für den Bereich, der angesprochen wurde, nicht zuständig ist. Jede Patientin wechselt anders: Einige, indem der Blick ins Leere geht – und dann eine andere Identität im Körper ist; andere switchen, indem sie die Augen rollen und die Augäpfel nach oben wegrollen. In der Regel gehen switches auch mit einer Änderung des körperlichen Aus-drucks: Haltung, Mimik, Gestik und auch der Stimme einher. Die Gestik wirkt verkrampft, hektisch oder verlangsamt. Der Körper wirkt steif oder starr, verkrampft oder locker. Mit der Zeit erkennt die TherapeutIn sofort, welche Identität den Körper übernommen hat. Zeigt sich eine neue Identität in der Psychotherapie, ist es wichtig, dass die TherapeutIn sich ihr vorstellt und sie fragt, ob sie weiß, dass sie die Therapeutin ist. In der Regel haben die Identitäten schon den Gesprächen zugehört und die Therapeutin gesehen, ohne sich selbst zu zeigen. Dennoch kann es vorkommen, dass jemand heraus geworfen wird, ohne zu wis-sen, wo sie sich befindet. Sie wirkt dann ängstlich, manchmal ist sie auch in panischer Angst, weil sie sonst nur in einem Misshandlungskontext mit Menschen in Kontakt kommt und sie die TherapeutIn für eine Täterin hält. Um den Angstpegel zu senken, sollte sich die Thera-peutin vorstellen und dem Alter-Ich die Situation erklären. Im Verlauf der Therapie ist es immer wieder notwendig, die unterschiedlichen Persönlichkei-ten zusammen mit der Patientin graphisch darzustellen, um ihren Platz, ihre Gruppierungen im Innen als System zu erkennen, zu verstehen und zu verfolgen, wie sich im Inneren Grup-pierungen und Standorte verändern. Das kann in einem Genogramm passieren, in Form ei-ner Landkarte, o.a. Selbstverletzungen und möglicherweise auch Suizidversuche sind bei Multiplen – auch wäh-rend der Dauer der Psychotherapie - nicht ungewöhnlich. Um letztere abzuwenden, sind Überlebensverträge mit den verschiedenen Identitäten unumgänglich. Beispiele für solche Verträge finden sich bei Huber 1995, 217. Es sollten immer möglichst viele Alter-Ichs bei den Vertragsaushandlungen anwesend sein; dem Vertraginhalt zustimmen und diesen uch un-terschreiben. Die Psychotherapiemethode ist eine personzentriete Traumatherapie. Imaginative Techniken erleichtern die Arbeit mit Multiplen und bringen schnell Fortschritte und für die Patientin Er-leichterung. Die therapie verläuft in Phasen, die sich in der Realität nicht so deutlich von ein-ander abgrenzen lassen – wie hier dargestellt. Jedoch sollte grundsätzlich darauf geachtet werden, dass die Patientin über Stabilisierungs- und Selbsttröstungstechniken verfügt (Red-demann 2001), bevor mit der Traumakonfrontation begonnen wird. 1. Grundlagen für die therapeutische Arbeit • Herstellen einer sicheren Umgebung, d. h. Schutz vor weiterer Taumaeinwirkung bzw. Schutz vor weiteren TäterInnenkontakten soweit das möglich ist. Besteht noch Täterkon-takt, der so schnell nicht aufzuheben ist, ist die erste Arbeit in der Psychotherapie am Schutz und an der äußeren Sicherheit zu arbeiten. • Große Vorsicht ist geboten bei vorschnellem Einbeziehen von Angehörigen in die Psy-chotherapie: Gerade bei Multiplen Persönlichkeiten gehören die Eltern meistens zu den TäterInnen oder haben ihnen zugearbeitet, indem sie ihnen z.B. die Tochter verkauften. • Die Patientin darin unterstützen, sich ein psycho-sozialen Unterstützungssystems zu or-ganisieren. • Der Patientin alle Information über traumatypische Symptome und Verlauf der PTBS zur Verfügung stellen. • Der Patientin Information über den Therapieverlauf geben: Was passieren kann, was sie schützen kann und Möglichkeiten des Schutzes mit ihr zusammen erarbeiten. • Die TherapeutIn sollte in der Behandlung erfahren sein oder sich Unterstützung durch erfahrene Kolleg(inn)en bzw. durch Supervision holen. 2. Diagnosestellung 3. Alter-Identitäten kennen lernen 4. Förderung der Inneren Kommunikation und Kooperation und Üben im Wechsel die Außenkontrolle bewusst zu übernehmen 5. Stabilisierungsphase Herstellen von Vertrauen und Sicherheit durch: • Wissen über Trauma und Traumafolgen • Information über die Therapie (Therapieverlauf) • Würdigung von traumabedingten Copingstrategien • Erlernen von Affektwahrnehmung, -differenzierung und -regulierung • Erlernen von Ich-stärkenden Imaginationen (Gegensatz zu negativen Imaginationen) • Systematisches Aufsuchen von Ressourcen und Verstärken aller Ressourcen • Ermutigung zu bewußtem Inanspruchnehmen der sozialen Unterstützungssysteme • Nichtannehmen traumatischer Übertragungsverzerrung • Förderung des therapeutischen Arbeitsbündnisses • Erlernen differenzierter Körperwahrnehmung • Erlernen des sorgsamen Umgangs mit dem Körper • Erlernen eines kontrollierten Umgehens mit flash-backs (Tresorübung) • Erlernen eines Umgangs mit Dissoziationen • Zunächst ist die Arbeit am Alltag der Patientin um ihr Sicherheit zu geben, ihr Selbstwert-gefühl zu stärken; sie zu stabilisieren. Sie braucht Zeit, um Vertrauen zur TherapeutIn zu finden, zu spüren, wie die Therapie verläuft und Verantwortung für sich und die Therapie zu übernehmen. Installierung eines sicheren Ortes und Üben denselben aufzusuchen. 6. Überlebensverträge aushandeln 7. Traumakonfrontation Bevor Traumata gezielt aufgesucht werden können, um sie zu bearbeiten, sollte die Patientin über Stabilisierungs- und Selbsttröstungstechniken verfügen. Sie sollte ihren sicheren Ort kennen und ihn auch aufsuchen können bzw. Alter-Ichs dorthin bringen können. Die Patientin hat das Recht jederzeit Stopp! zu sagen. Es sollten Vereinbarungen zwischen TherapeutIn und Klientin, über non-verbale Kommuni-kationsregeln/-absprachen getroffen werden, wenn der Patientin sprachliche Mitteilung nicht möglich ist. Jetzt erst ist bewusstes, geplantes Aufsuchen traumatischer Situationen in einem klar struk-turiertem und in - durch vorherige Übung erlerntem Setting - in verschiedenen Phasen und mit verschiedenen Methoden (z. B. Screen Technik ) - möglich oder auch gesteuertes Be-gegnen der Traumata mittels bewusst herbeigeführter Dissoziationen, um das Grauen er-träglich zu machen. Eine Abreaktion (auch flashback) ist eine spontane Entladung von Emotionen nach Reakti-vierung der Erinnerung an ein schmerzhaftes Ereignis, das unterdrückt wurde, weil es in be-wusstem Zustand nicht zu ertragen war (Putnam 2003, 277ff). Spontane Abreaktionen sind für die Patientin furchtbar und auch im Nachhinein nicht unbedingt hilfreich. Durch geplantes Aufsuchen traumatischer Erinnerung können auch die Abreaktionen gesteuert und dosiert werden und sind für die Patientin leichter zu ertragen. Nach jeder Traumasitzung wird die Patientin angehalten sich und ihre inneren Anteile zu trösten und zu versorgen. Wichtige Themen im Verlauf der Psychotherapie Schuld und Scham; Wut, Hass und Aggression; Kontaktunterbrechung bzw. Kontaktabbruch zu den Eltern, wenn diese TäterInnen sind. Bedeutung des Kontaktes mit leiblichen Ge-schwistern, die weiterhin den Kontakt zu den Eltern unterhalten; Umgang mit Täterintrojek-ten. 8. Integrationsphase Wie schon erwähnt, ist die Integration nicht unbedingt ein Behandlungsziel. Die Patientin entscheidet mit den Alter Persönlichkeiten, ob sie dieses Ziel anstreben will. Die Phase der Fusion ist die Phase des Trauerns und des Neubeginns. Während des Therapieprozesses kommt es immer auch zur spontanen Integration einiger Persönlichkeiten. Eine Integration der Persönlichkeiten sollte nur dann herbeigeführt werden, wenn die jeweiligen Persönlich-keiten dazu bereit sind. Das lässt sich daran erkennen, dass die dissoziativen Barrieren, die die beiden Persönlichkeiten bisher getrennt haben, nahezu aufgehoben sind. Oftmals begin-nen sich Stimme, Verhalten und Gestik aneinander an zu gleichen. Die TherapeutIn sollte mit den betreffenden Persönlichkeiten, alle Sorgen und Ängste, die die Integration betreffen, besprechen. Es geht nicht um den Verlust oder Tod einer Persönlichkeit, sondern um einen Akt der Verschmelzung miteinander, wobei alle Fähigkeiten erhalten bleiben. In der Regel haben die Persönlichkeiten Ideen, wie sie fusionieren wollen. Meistens handelt es sich um eine Zeremonie der Umarmung, Vermischung oder Verschmelzung. Auch hier können ima-ginative Verfahren sehr hilfreich sein. Der Behandlungsweg ist lang. AutorInnen sprechen von mindestens 200-300 Psychothera-piestunden (Gast 2000, 195; Huber 1995; Putnam 2003). Ausblick Das Krankheitsbild der Dissoziative Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeit) wird immer noch strittig diskutiert, obwohl schon einiges darüber veröffentlicht wurde. Das wundert nicht, weil sich unsere Gesellschaft sehr schwer tut, das Ausmaß von Kindesmisshandlung und sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Jungen besonders durch Eltern und Familienan-gehörige anzuerkennen. Schwere Misshandlung und sexueller Missbrauch sind Traumata, die als eine der Hauptursachen für die Dissoziative Identitätsstörung gelten. Für Psychothe-rapeut(inn)en ist es notwendig, sich mit diesem Krankheitsbild und dessen Ursachen ausei-nanderzusetzen, um die Patientinnen besser verstehen und ihnen eine angemessene Be-handlung zukommen zu lassen. Dieser Aufsatz gibt eine Einführung in das Thema DIS und den Umgang damit in der ambu-lante Psychotherapie. Der Rahmen dieses Aufsatzes ermöglicht dabei eine grobe Darstel-lung des Behandlungsverlaufs und das Eingehen auf Aspekte, die bei diesem Krankheitsbild zu beachten sind. Literatur: Besser, Lutz (1998): Script einer Trauma Fortbildung: Theorie und Praxis neuer traumatherapeuti-scher Konzepte. Unveröffentlichtes Seminarskript.   Brisch, Karl Heinz & Theodor Hellbrügge (2003): Bindung und Trauma. Risiken und Schutzfaktoren für die Entwicklung von Kindern. Stuttgart, Klett-Cotta.   Gast, Ursula (2000): Diagnostik und Behandlung Dissoziativer Störungen. In: Lamprecht Friedrich: Praxis der Traumatherapie. Was kann EMDR leisten? S. 164-211. Stuttgart, Pfeiffer bei Klett Cotta.   Huber, Michaela (1995): Multiple Persönlichkeiten - Überlebende extremer Gewalt. Ein Handbuch. Frankfurt/Main; Fischer.   Huber, Michaela (2003a): Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung, Teil 1, Jungfer-mann, Paderborn.   Huber, Michaela (2003b): Wege der Traumabehandlung. Trauma und Traumabehandlung, Teil 2, Jungfermann, Paderborn.   Hüther, Gerald (2003): Die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen im Kindesalter auf die Hirnent-wicklung. Das allgemeine Entwicklungsprinzip. In: Brisch & Hellbrügge, a.a.o., 94-104.   Ludwig, A. M. (1983: The psychobiological functions of dissociation. American Journal of Clinical Hypnosis, 26:93-99.   Putnam, Frank W. (2003): DIS. Diagnose und Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung. Pa-derborn, Jungfermann.   Overkamp, Bettina, Arne Hofmann, Michaela Huber & Gerhard Dammann (1997): Dissoziative Identitässtörung (DIS) – eine Persönlichkeitsstörung? In: Persönlichkeitsstörungen 2:,74-84   Reddemann, L (1998): Umgang mit Täterintrojekten: „Bitte verzeiht mit Eure Sünden.“ Persönlichkeits-störungen, Theorie und Therapie. Traumazentrierte Psychotherapie II. 2,90-96.   Reddemann, L./Sachsse, U. (1997): Stabilisierung. Persönlichkeitsstörungen, Theorie und Therapie, Traumazentrierte Psychotherapie I, 3, 113-147.   Reddemann, L. Sachsse, U. (2000 a): Traumazentrierte Imaginative Therapie. In U. T. Egle; S. O. Hoff-mann & P. Joraschky, (Hrsg.). Sexueller Mißbrauch, Mißhandlung, Vernachlässigung, (S.375-389), Stutt-gart: Schattauer.   Reddemann, L. Sachsse, U. (2000 b):Traumazentrierte Psychotherapie der chronifizierten, komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung vom Phänotyp der Borderline-Persönlichkeit. In O. F. Kernberg; B. Dulz & U. Sachsse (Hrsg.). Handbuch der Borderline-Störungen. (S. 555-571) Stuttgart: Schattauer   Reddemann, Luise (2001): Imagination als heilende Kraft. Zur Behandlung von Traumafolgen mit ressourcenorientierten Verfahren. Bd. Leben lernen 141. Pfeiffer bei Klett-Cotta, Stuttgart.   Schreiber. Flora Rheta (1984): Sybil. Persönlichkeitsspaltung einer Frau. Frankfurt/M., Fischer.       Copyright: Rosemarie Steinhage Mosbacher Str. 45 65187 Wiesbaden Fon: 0611/ 9 81 29 05 info@Rosemarie-Steinhage.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können www.Rosemarie-Steinhage.de
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